Mit stehendem Mast durch holländische Kanäle

Bekanntlich sind die meisten Binnenrouten von Segelbooten nur mit gelegtem Mast befahrbar. Eine sehr interessante Ausnahme ist die "Stehende-Mast-Route", die durch Holland führt und die ich im Herbst 2004 kennen gelernt habe.

                       

Von der Nordsee gelangte ich bei Ijmuiden in den Noordzeekanaal und durch diesen nach Amsterdam - und dann setzte eine Starkwind-Sturmperiode ein. Da ich weiter nach Deutschland musste, informierte ich mich über Möglichkeiten, auf Binnenwegen dorthin zu gelangen. Offenbar gibt es nur einen Weg, bei dem man den Mast nicht zu legen braucht, eben die "Staande-Mastrout", die von Vlissingen im Süden bis nach Delfzijl im Norden führt, allerdings nur für Boote  mit maximal 1,80 m Tiefgang. (Ein paar Zentimeter mehr machen wahrscheinlich keine Probleme.)

So besorgte ich mir in Amsterdam das geeignete Kartenmaterial und segelte durch das Isselmeer zunächst nach Lelystad und dann nach Lemmer. Trotz westlichen Winden um 6 -8 Bf waren dort etliche Segelboote unterwegs, und nur unter Fock war Strecke problemlos zu meistern. Bei Lemmer ging es in den Prinses Margriet Kanaal. Dieser führt zwar direkt nach Delfzijl, hat aber einige Brücken, die nicht geöffnet werden können, also nicht mit stehendem Mast passiert werden können. Also zweigte ich nach Leuwarden ab. Von dort ging es in den Kanal Dokkumer Ee. Dies ist eine den Tiefgang begrenzende Strecke, für die nur 1,80 m garantiert wird. Wir trafen aber auf ein Segelboot, das mit 2 m Tiefgang keine Probleme hatte.

Schleusengebühren werden nicht erhoben. Ab Leeuwarden wird bis einschließlich Dokkum wird Brückenzoll verlangt. Der Brückenwärter lässt an einer Angel einen Holzschuh herunter, in den man das Geld steckt. Man muss sich also rechtzeitig mit genügend Kleingeld versehen, denn gewechselt wird nicht. Wieviel es kostet, steht an einem Schild an der Brücke. In größeren Ortschaften wird für mehrere Brücken nur einmal kassiert. So bezahlten wir z.B. für Leeuwarden 6 €, für Dokkum 4,50 € und für eine einzelne Brücke zwischendurch 2 €.

Weiter ging es über Groningen nach Delfzijl. Wir hatten mittags im Sixhafen in Amsterdam abgelegt ind waren mit nur nächtlichen Zwischenstops 4 Tage später in Delfzijl.

Die Übernachtungsgelder sind moderat und bewegten sich für mein 10m-Boot zwischen 5 € und 16 €. Selbst in Amsterdams zentral gelegenen Sixhafen (man ist zu Fuß in 10 Min an der kostenlosen Fähre, die zum Hauptbahnhof und somit zum Stadtzentrum führt), bezahlte ich nur 9 € pro Nacht. Allerdings sind dort Bauarbeiten im Gange, und es wird wahrscheinlich teurer werden.

In den Seen, durch die der Prinses Margriet Kanaal führt, hatten wir etwas Schwierigkeiten, einen Hafen mit genügend Wassertiefe (1,85m) zu finden, aber es gibt welche.

Amsterdam ist immer eine Reise wert. Die übrigen Ortschaften und Städte, die wir passierten, fand ich ausgesprochen hübsch und einladend. Landschaftlich reizvoll ist die Kanalstrecke von Lemmer bis Groningen, wobei die Dokkumer Ee besonders malerisch wirkt. Schade, dass wir es so eilig hatten. Die Strecke von Groningen bis Delfzijl ist allerdings nicht interessanter als der Nord-Ostsee-Kanal, zu dem man mit stehendem Mast nur über die offene See gelangt.

Für das Isselmeer benutzte ich den holländischen Sportbootkartensatz. Für die Kanalstrecke Lemmer - Dokkum die ANWB/VVV WATERKAART B "Friesland" und von dort bis Delfzijl den ANWB/VVV WATERATLAS A "Groningen & Drenthe"

Das interessanteste Werk hatte ich leider nicht zur Verfügung: ANWB Staande Mastroute

 


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