Henri de Bokay wurde mit der Elliot 52 SS „Rafale“ deutscher Offshore Meister. Foto: Hinrich Franck

Deutsche Offshore-Titel für „Rafale“ und „Hinden“

Mit dem Pantaenius Rund Skagen Race hatte die 89. Nordseewoche ihren Abschluss und Höhepunkt. Das Abschlussrennen der Hochseeregatta, die traditionell an Pfingsten mit verschiedenen Rennen nach, vor und rund um Helgoland ausgetragen wird, brachte gleichzeitig auch die Entscheidung in der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) im Offshore Segeln der Klassen ORC A und ORC B. Nach dem 510 Seemeilen langen Rennen von Helgoland nach Kiel durften sich die Crews der Berliner „Rafale“ (ORC A) und der Kieler „Hinden“ (ORC B) als neue deutsche Meister feiern lassen.

In die Wertung der IDM der Seesegler flossen zwei Regatten der Nordseewoche ein: der Capitell Cup Rund Helgoland am Pfingstsonntag sowie das das Pantaenius Rund Skagen Race, das für die Gesamtwertung doppelt gezählt wurde.

First Ship Home nach nur 47 Stunden, 44 Minuten und 8 Sekunden auf See war die Crew der Elliott 52 SS „Rafale“, die bereits am Mittwochabend die Ziellinie vor Kiel-Schilksee überquerte und als einzige der 32 teilnehmenden Yachten mit dem letzten Quäntchen Ostwind und ohne Flaute den Kurs absolvierte. Trotz des furiosen Zieleinlaufs weit vor den anderen teilnehmenden Yachten schaffte es die „Rafale“ aber nicht, den inzwischen 24 Jahre alten Streckenrekord der „Uca“ zu brechen.

Bei ihrem haushohen Sieg profitierte die schnelle Rennyacht von dem für die großen, modernen Yachten nahezu perfektem Wetterszenario. Ohne wie die kleineren Yachten in Flautenlöchern hängen zu bleiben und phasenweise sogar zu ankern, konnte die „Rafale“ alle ihre Vorteile ausspielen und erhielt auch den Skagen-Preis für die beste Yacht des Rennens.

„Diesmal passte alles. Die Yacht, das Wetterfenster, das perfekte Team“, sagte „Rafale“ Skipper Malte Päsler. „Wir haben einen Topspeed von 23 Knoten geschafft, jeden nötigen Segelwechsel mitgemacht und keine Fehler zugelassen. Wir sind sehr glücklich und stolz über das Ergebnis.“

Für die Crew und Eigner Henri de Bokay (VSaW Berlin/NRV Hamburg) ist es die vierte Saison auf der ehemaligen „Outsider“ von Tilmar Hansen. Nach verschiedenen Regatten im Mittelmeer, in der Karibik und über den Atlantik nahm das Team dieses Jahr zum ersten Mal an der Offshore IDM teil. Für das perfekte Routing sorgte Robin Zinkmann, Taktik und Strategie lagen in den Händen von Johannes Polgar, für den Trimm war unter anderem Marc-Daniel Mählmann verantwortlich.

Auf den zweiten Rang der Gruppe ORC A kam Dirk Clasen mit seiner Humphrey 39 „Ginkgo“. Dritte wurde mit der Maxi Dolphin „Calypso“ von Gerhard Clausen (NRV) die größte Yacht des Feldes.

Für die Crews der IDM Offshore ging es von Helgoland aus einmal rund Skagen nach Kiel. Foto: Hinrich Franck

Besonders spannend wurde es in der Wertungsgruppe ORC B. Bis zum Zieleinlauf der letzten Yacht in der Nacht zu Samstag, der Bristol 35.5 „Atena“, stand das Endergebnis noch nicht fest. Dabei bewies die Swan 371 „La Diana“ von Jan Müggenburg (Segel-Club Baltic) eindrucksvoll, dass auch vermeintlich schwere, ältere Schiffe durchaus Potenzial haben, um aufs Podium zu kommen, wenn die Bedingungen stimmen. Die Yacht holte nach ORC B den Gesamtsieg beim Pantaenius Rund Skagen Rennen und kam bei der IDM auf den dritten Rang.

Frischegebackener deutscher Meister der Offshore IDM in ORC B ist Jonas Hallberg, der mit seiner JPK 10.30 „Hinden“ bisher vor allem bei zahlreichen Doublehanded Regatten erfolgreich war. Der Skipper vom Kieler Yacht-Club (KYC) trat mit einer für seine Verhältnisse großen Crew bei seiner ersten Offshore-Meisterschaft an. „Wir waren zu viert an Bord und sind vorher noch nie in dieser Konstellation gesegelt“, sagte Jonas Hallberg, der mit seiner „Hinden“ fast doppelt so lange auf See war wie die Crew der „Rafale“. „Das Rennen rund Skagen haben wir schon deutlich härter erlebt. Bis auf den Regen im Großen Belt hatten wir sonniges, entspanntes Segeln, bei dem von allem etwas dabei war – inklusive Flaute und Ankermanöver, um durch Strom und Tide nicht wieder zurückzutreiben.“ Auf den zweiten Rang nach ORC B kam der Eintonner „Oromocto“ mit Skipper Kai Greten (Hannoverscher Yacht-Club).

Vom Mittwochabend bis Samstagnacht – vom Zieleinlauf des ersten bis zum letzten Schiff – besetzten Marcus Boehlich und sein Team die Ziellinie vor Kiel-Schilksee, um alle Yachten korrekt zu zeiten. Die ankommenden Crews wurden in den Räumen des DSV in Schilksee von Pantaenius mit einer warmen Suppe, Brötchen und einem Getränk begrüßt.

DSV-Vizepräsidentin Katrin Adloff war als Mitglied des Schiedsgerichts auf Helgoland und Kiel dabei. „Das Pantaenius Rund Skagen Rennen ist die maßgebliche deutsche Offshore-Regatta“ sagte sie. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, dieses ikonische Rennen in das Programm der Deutschen Meisterschaft der Seesegler zu integrieren.“

Die Kombination der beiden Regatten Rund Helgoland und Rund Skagen für die IDM, ausgerichtet vom Segel-Verein Altona-Oevelgönne, wurde ebenfalls von allen Teilnehmenden sehr gelobt. „Für die Meisterschaft war die Kombination aus Capitell Cup Rund Helgoland und Pantaenius Rund Skagen gut, beide Rennen haben stark davon profitiert“, sagte Jonas Hallberg. „Man konnte nicht mit einem Glücksgriff deutscher Meister werden, sondern musste sich unter verschiedenen Bedingungen beweisen und so sein ganzes seglerisches Spektrum abrufen.“

Die Offshore-IDM war die erste von drei Meisterschaften für Seesegler dieses Jahr. Es folgen die IDM Doublehanded im Rahmen des blue ribbon Cup vor der IDM Inshore zur Flensburger Fördewoche.